Caprice oder die Sommerlaunen der Designer: Ein Laufstegreport von Christine Korte
Freitag, den 13. Februar 2009
Meine Freundin Sophie versucht nicht lauthals loszulachen, als ich ihr beim Lunch erzähle, dass ich zum 30sten Geburtstag unserer uralt Freundin Lulu – blöder Spitzname, den sie zu Schulzeiten bekommen hat und nie wieder los wurde – erstmals den neuen Pyjama-Look tragen würde.
Soll sie doch lachen!
Aber deswegen werde ich nicht auf das Beste verzichten, was die globale Finanzkrise zu bieten hat: Den Boudoir-Look. Boudoir heißt, aus dem Französischen übersetzt, schmollen, schlecht gelaunt sein. Wenn die dauerhafte Krise den Konsumenten Angst macht, dann fangen die Designer dieser Welt an zu schmollen- und zwar nicht zu knapp.
Die Motti dieses Modesommers heißen: Transparenz, Volants, Rüschen, knappe Schnitte, Chiffon und Seide. Die Fachpresse spricht davon, dass in New York, London, Mailand und Paris eine glamouröse Gegenwelt zur wirtschaftlichen Misere geschaffen wird. Blödsinn!
Der Boudoir-Look ergibt sich als logische Konsequenz aus der kritischen Situation. Wenn kein Geld mehr für Werbung ausgegeben wird und somit keine Stylisten mehr für Anzeigenkampagnen, Kataloge und Werbefilme gebraucht werden, muss ich mich auch nicht mehr für steife Meetings in hochgeschlossene Kostüme zwängen, sondern mache es mir lieber in einem seidigen Pyjama auf einer Chaiselongue bequem. Die strengen und zugeknöpften Designs der letzten Saison, passen einfach nicht mehr zu unserem neuen Lebensstil. Wir sind durch die Krise zu so einer Art Zwangs-Aristokraten gemacht worden, das heißt wir arbeiten nicht mehr oder einfach weniger. Für diesen neuen Lebensstil brauchen wir eben die richtige Mode.
Passend zu unserem neuen Lifestyle schickt das Designerduo Domenico Dolce und Stefano Gabbana seine Models in gepunkteten und gestreiften Gentlemen-Pyjamas aus Seide über den Mailänder Laufsteg. Bei Landsmann Roberto Cavalli wird es in der kommenden Saison romantisch. Mit transparenten, wallenden Kleidern und weiten Hosen schwebt die Cavalli-Frau in die warmen Monate. Und auch beim sonst so strengen Yves Saint Laurent in Paris ist es nicht anders: transparente Chiffonkleider in Nachtblau, die an Negligés erinnern, zarte schimmernde Blusen in Weiss und Schwarz lassen auf einen von Strenge befreiten Sommer hoffen. Selbst unter den für YSL typischen Herrenblazern trägt man nur noch einen BH.
John Galliano, der König des Schmollens – ich habe es als kleine Assistentin auf einem Shooting mit ihm in Paris mal live miterlebt – macht seinem Ruf alle Ehre. Seine aufreizenden See-Through-Kleidchen in romantischen Pastellfarben mit niedlichen Rüschen haben genau die richtige Mischung aus Unschuld und Frivolität.
Auch für Christian Dior schmollt der Designer Galliano fröhlich weiter. In durchsichtigen, korsagenartigen Kleidern, transparenten Falten- und Stufenröcken in Gelb, Babyblau und Nude – alles ultra Mini – können wir mit mädchenhafter Naivität unbeschwert den heißen Tagen entgegenblicken.
Gedanken machen müssen wir uns bei diesen hauchzarten Kreationen nur über die Investition in die passenden Dessous. Denn die sieht diesen Sommer garantiert nicht nur unser Liebster!
Hier sind die besten Laufsteg-Looks
Hier sind unsere zwei liebsten Pyjama-Looks von Princesse tam tam:





