Ein paar Worte zur BH-Größe
Dienstag, den 19. April 2011Es gibt zwar schon unendlich viele Studien, Ratgeber, Foren, Blogs und TV-Sendung zum Thema: „wie ermittele ich meine korrekte BH-Größe“, aber irgendwie scheint es trotzdem noch jede Menge Aufklärungsbedarf zu geben. Zumindest landen insbesondere seit unserem TV-Beitrag als BH-Experten bei RTL Extra, jeden Tag so viele Anfragen und Nachfragen bei uns, dass wir dachten, wir widmen auch noch einmal ein Blog-Post dem Thema: wie finde ich eigentlich meinen perfekten BH?
Den perfekten BH zu finden ist eigentlich gar nicht so schwierig. Es gibt ein paar Tipps, die man beim BH-Kauf einfach beherzigen sollte. Für alle, die unseren RTL Extra Beitrag verpasst haben, hier noch einmal in aller Ausführlichkeit:
- BH-Größe ausmessen
Der erste Schritt zum perfekten BH ist, die eigene Brust zu vermessen. Das muss man auch nicht öffentlich in einem Dessous-Geschäft machen, sondern kann auch ganz einfach von zu Hause aus getan werden. Die BH-Größe besteht immer aus zwei Faktoren: Die BH-Unterbrustweite und die BH-Oberbrustweite. Beides misst man wie im folgenden erklärt, separat voneinander aus. Die Unterbrustweite definiert die Größe des späteren BH-Unterbrustbandes und die Oberbrustweite definiert die spätere Körbchengröße.
- BH-Unterbrustweite: Man nehme ein handelsübliches Maßband, stelle sich aufrecht hin, atme normal – um den Brustumfang nicht zu verfälschen – und lege das Maßband direkt unter der Brust, in der Brustfalte an. Das Maßband sollte einmal fest und horizontal, gerade um den Körper gelegt werden. Ganz wichtig ist, dass es wirklich eng am Körper anliegt. Denn so wird das Unterbrustmaß für das spätere Unterbrustband des BHs ermittelt, welches die stärkste Stützfunktion beim BH übernimmt. Die Unterbrustweite wird in 5cm Schritten als Mittelwert gemessen. Hat man z.B. eine Weite zwischen 67,5 und 72,5 cm so sollte man eine Unterbrustband der Größe 70 wählen. Liegt man zwischen 72,6 und 77,5 sollte man zur Größe 75 greifen und so weiter.
- BH-Oberbrustweite: Die Oberbrustweite bestimmt die spätere Körbchengröße des BHs. Man legt das Maßband horizontal über die höchste Stelle der Brust, diesmal sollte es eher ein wenig lockerer sitzen, da das Körbchen ja nicht quetschen soll. Man nimmt nun die Differenz zwischen Oberbrustweite und Unterbrustweite und errechnet die BH-Größe. Eine Differenz von 12cm zwischen Oberbrustweite – Unterbrustweite ergibt ein A-Körbchen. 14cm ein B-Körbchen, 16cm ein C-Körbchen und so geht es in 2cm Schritten weiter. Hier ein Rechenbeispiel: Unterbrustweite = 77cm und Oberbrustweite = 90cm, Differenz = 90cm -77cm = 13cm = A Körbchen und 77cm entspricht einer Unterbrustweite von 75. Die passende BH-Größe wäre also 75 A.
Wichtig ist zu beachten, dass das Ausmessen immer nur der erste Schritt zum perfekten BH ist. Es reicht aber alleine keinesfalls aus. Nur weil man per Maßband die Größe 75B ermittelt hat, heißt das nicht, dass man nun in jedes Geschäft gehen kann und sich wahllos einen BH der Größe 75B von der Stange nimmt und dieser dann perfekt sitzen wird.
Der menschliche Körper ist eben nicht zu normieren und zu standardisieren. Zudem fallen die Größen bei verschiedenen Herstellern oft unterschiedlich aus, und auch die Messmethode ist nicht standardisiert, siehe Wikipedia. Bei athletischen Frauen mit einem breiteren Kreuz wird z.B. oft ein zu großes Körbchen ermittelt. Darauf sollte man achten und sich niemals blind auf das Ergebnis verlassen.
Es ist extrem wichtig, verschiedene Modelle und Größen anzuprobieren, um auch ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, wie sich ein gut sitzender BH anfühlt. Daher sollte man zur Probe am besten ein Dessous-Fachgeschäft mit professioneller Beratung wählen. Auf folgende Faktoren sollte man beim Sitz eines BH achten:
- Wie sitzt ein guter BH?
- BH-Unterbrustband: das Unterbrustband hat die größte Stützfunktion beim BH und sollte eng am Körper anliegen. Viele Frauen machen oft den Fehler, lieber einen etwas weiteren BH zu wählen, da er vermeintlich bequemer sitzt. Das Band sollte natürlich keinesfalls einschneiden, aber es sollte durchaus eng am Körper sitzen. Zieht sich beispielsweise das Unterbrustband im Rücken nach oben, ist es definitiv zu weit und sitzt zu locker. Es findet nicht genug Halt und kann die Brust so nicht stützen. Das wird oft unterschätzt. Nicht die Körbchen oder die Träger, sondern vor allem das Unterbrustband übernimmt die größte Stützfunktion für die Brust. Daher sollte es wirklich eng anliegen, aber natürlich nicht einschneiden. Ein guter Indikator ist, wenn man nach Möglichkeit das Unterbrustband im weitesten Häkchen schließt und noch genau 2 Fingerbreit zwischen Körper und Unterbrustband passen.
- BH-Bügel: die Bügel des Körbchen sollten die Brust gut umschließen. Der Bügel muss direkt in der Brustfalte unter der Brust sitzen und seitlich an den Rippen, mittig der Achsel abschließen. Er sollte nicht vom Körper abstehen und nicht in das Brustfleisch einschneiden – beides oft ein Zeichen, dass das Körbchen zu klein ist, und schließlich sollte das Körbchen auch nicht nach unten gezogen werden, weil der Bügel zu tief sitzt – ein Zeichen, dass der BH eher zu groß ist.
- BH-Körbchen: Die Körbchen sollten die Brust gut umfassen. Das heißt, sie sollten am oberen Rand schön abschließen, ohne abzustehen oder einzuschneiden. Sie sollten gut anliegen. Seitlich sollten sie ebenfalls gut anliegen, es darf nichts „überquellen“. Dann ist das Körbchen zu eng, und es können schmerzhafte Druckstellen entstehen. Im schlimmsten Fall droht eine Entzündung. Sind sie zu groß, kann der Stoff scheuern und die empfindlichen Stellen werden wund. Ein guter Trick ist immer der T-Shirt Test: Man sollte über einen BH ein möglichst enges T-Shirt ziehen, sich vor dem Spiegel drehen und prüfen, wie der BH von der Seite unterm T-Shirt aussieht. Drückt das BH Körbchen in das Brustfleisch ein, entsteht eine unschöne „Doppelbrust“
- BH-Steg: der BH-Steg sollte schön am Brustbein anliegen. Es darf nicht abstehen. Steht der Steg in der Mitte zu weit vom Körper ab, sitzt der BH nicht gut. Oft ein Zeichen dafür, dass der BH zu klein ist und die Brust nicht gut umfasst werden kann.
- BH-Träger: Die BH-Träger sollten nicht einschneiden, sie sollten aber natürlich auch nicht zu locker zu sitzen. Zudem sollte man probieren, welche Form sitzt. Ist man sehr schmal, oder neigt man zu „hängenden“ Schultern, sollten die Träger nicht zu weit außen sitzen, da sie sonst rutschen können. In diesem Fall wären z.B. Kreuzträger eine bessere Alternative. Je größer das Cup, desto breiter sollten auch die Träger sein, breitere Träger geben besseren Halt.
- BH- Modell: Nicht jede BH Form passt zu jeder Brust. Ein Triangel BH ohne Bügel gibt der Brust eher weniger Halt und ist daher oft am besten für kleinere BH-Cups geeignet. Größere BH-Cups finden ohne stützende BH-Bügel zu wenig Halt, und zu viel Gewicht landet auf den Schulter, was zu Rücken- und Nacken-Beschwerden führen kann. Zudem sieht es oft nicht besonders schön aus, und auch das Brustgewebe kann geschädigt werden, wenn ein BH nicht stützt. Unschöne Streifen können entstehen. Auch z.B. ein Balconnet BH ist nicht für jede Brust geeignet. Die Träger sitzen hier oft sehr weit außen, bei schmalen Figuren kann das leicht dazu führen, dass der Träger zu häufig von den Schultern rutscht. Das nervt erstens und zweitens verringert dies den Halt der Brust und der BH sitzt nicht mehr. Beim Pushup BH sollte man auch mal ein größeres Körbchen versuchen, da diese bei den Herstellern durch die Fütterung oft kleiner ausfallen.
All diese Faktoren sollte man mit professioneller Beratung einmal prüfen. So kann man ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wie ein guter BH sitzen sollte.
- Tipps beim BH-Kauf:
- BH Unterbrustband im weitesten Häkchen: Man sollte das Unterbrustband so kaufen, dass es im weitesten Häkchen eng sitzt (ohne einzuschneiden), da man so effektiv die Lebensdauer eines BH verlängern kann. Denn egal wie teuer, irgendwann wird sich jeder BH weiten. Je öfter man ihn trägt und je öfter man ihn wäscht, desto weiter wird mit der Zeit das BH Unterbrustband. Wenn man dann noch ausreichend Spielraum hat, um ihn enger zu machen, desto länger wird man Freude an ihm haben. Wenn man den BH hingegen von vorneherein so kauft, dass das Unterbrustband bereits im engsten Häkchen passt, so wird man ihn nicht mehr enger stellen können, wenn er sich weitet, und muss sich zu früh einen neuen BH kaufen. Denn ein zu weites Unterbrustband führt dazu, dass die Brust nicht gut gestützt wird. Zuviel Brust-Gewicht landet auf den Schultern und kann im schlimmsten Fall zu orthopädischen Problemen führen, wie Nackenschmerzen, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen.
- Bewegen: Es ist eine Sache, ob ein BH vorm Spiegel in der Umkleidekabine gut sitzt und eine gänzlich andere, ob er sich im Alltag gut bewährt. Z.B. beim Treppensteigen, beim Tragen oder Anheben von Gegenständen, beim kurzen Laufen, Abends beim Tanzen! Auch wenn es komisch aussieht, man sollte sich in der Umkleidekabine ein bißchen Bewegen. Arme hoch, auf der Stelle laufen, sich in der Taille drehen etc. Rutscht der BH zu viel hin und her, sollte man einen anderen wählen. Der BH sollte sich so gut wie nicht bewegen und die Brust fest umschließen und stützen – bei allen Bewegungen des Alltags.
- Schütteln: Um schnell zu testen, ob das Körbchen optimal sitzt, sollte man sich in der Kabine kurz vornüber beugen, und die Brust in die Körbchen „hineinfallen“ lassen, kurz ein bißchen hin und her „schütteln“, und dann sollte das Körbchen die Brust eigentlich optimal umschließen, es sei denn, der BH passt einfach nicht.
- T-Shirt-Test: Um spätere Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man sich überlegen, für welche Gelegenheit man den BH sucht. Sucht man eher verführerische Dessous oder Unterwäsche für den Alltag. Im Letzteren Fall sollte man unbedingt bereits in der Kabine testen, wie der BH unter der Bluse oder dem Top aussieht. Tragen die Nähte auf? Die Spitze? Die Schleifchen? Sitzt der BH oder macht er eine „Doppelbrust“ unterm Shirt?
- Kreuzgrößen: Hat man beispielsweise einen BH der Größe 80C an und findet, dass das Körbchen zwar optimal sitzt, aber das Unterbrustband irgendwie zu weit ist, macht man oft den Fehler zur Größe 75C zu greifen. Das C-Körbchen passt ja, nur das Unterbrustband müsste enger sein. Das ist aber falsch. Denn die Körbchengröße wird ja immer relativ zum Unterbrustmaß gemessen. Das heißt, ein Körbchen der Größe 80C ist immer größer als ein Körbchen der Größe 75C. Sitzt also das 80C Körbchen optimal und ist nur das Unterbrustband zu weit, sollte man zunächst die Größe 75D probieren. Denn das 75D Körbchen ist viel näher am 80C Körbchen als das 75C Körbchen. Das sind sogenannte Kreuzgrößen, genau wie 80A und 75B, oder 80B und 75C etc.






